1.1 Das Krankheitsbild: Wernicke-Korsakow-Syndrom

Benannt wurde das Wernicke-Korsakow-Syndrom nach C.Wernicke (1881) und S.S. Korsakow (1887). C. Wernicke beschrieb eine akute Enzephalophatie, während S.S. Korsakow von einem amnestischen Syndrom berichtete. Heute geht man davon aus, dass beide Ärzte unterschiedliche Stadien derselben Krankheit beschrieben (Masuhr 2005 S.259). Eine Enzephalopathie ist eine krankhafte Veränderung des Gehirns. Es sind nachweisbar bräunliche Verfärbungen des Gewebes und Gewebeschrumpfungen der betroffenen Gehirnregionen (Pfeiffer 1989). Die Wernicke-Enzephalophatie tritt akut oder subakut ein, d.h. die typischen Symptome entwickeln sich sofort oder innerhalb weniger Tage. Typische Symptome in diesem Stadium des Krankheitsverlaufs sind Augenmuskellähmungen, Gangstörungen, Aufmerksamkeits- und Merkfähigkeitsstörungen, Antriebsminderung (Schläfrigkeit) und Desorientierung. Die Wernicke-Enzephalopathie geht bei 84% der Betroffenen in eine Korsakowpsychose über (Masuhr 2005 S.259). Das amnestische Syndrom, welches von Korsakow beschrieben wurde, hat als typische Symptome Gedächtnisstörungen, Konfabulation und zeitliche Desorientierung (Bergmann 2005 S.1244). Die akute Phase des WKS wird zumeist Wernicke Encepalopahtie genannt, während der chronische Verlauf mit Korsakowsyndrom und Korsakowpsychose bezeichnet wird. Aber auch die Bezeichnung Wernicke-Korsakow-Syndrom ist geläufig. Begleitet wird das WKS häufig von Polyneuropahtien, die in einem folgenden Abschnitt näher beschrieben werden. Das WKS wird in der Klassifizierung der WHO im ICD 10 als „F10.6 amnestisches Syndrom“ benannt (WHO ICD10).