1.1.2 Ursachen für die Entstehung des WKS

Das WKS entwickelt sich aus einem Vitaminmangel (Hypovitaminose) des Vitamin B Komplexes. Ausschlaggebend ist der Mangel von Vitamin B1 (Thiamin) (Masuhr 2005 S.258). Neben Thiamin können aber auch Vitamin B12 und B6 das WKS und auch häufige Begleiterkrankungen, wie die Polyneuropahtie, begünstigen. Der Thiaminmangel entwickelt sich zumeist aus mehreren Gründen. Der schwerwiegendste Grund ist die vernachlässigte Nahrungsaufnahme bei starken Alkoholikern. Die Vernachlässigung der Nahrungsaufnahme hat unterschiedliche Gründe. Chronische Alkoholiker leben oft verwahrlost und vernachlässigen lebenspraktische Handlungen, wie beispielsweise die Einnahme regelmäßiger Mahlzeiten. Viele starke Alkoholiker leben in Armut und müssen den größten Teil ihres Geldes für ihre Sucht aufbringen. Somit fehlt das Geld für qualitativ hochwertiges Essen. Ebenso fehlt vielen obdachlosen Alkoholikern der Ort, an dem sie eine solche Mahlzeit zubereiten könnten. Die Notwendigkeit der Nahrungsaufnahme wird auch dadurch nicht wahrgenommen, weil der tägliche Energiebedarf des Körpers bereits durch den getrunkenen Alkohol abgedeckt wird. Gleichzeitig müssen starke Alkoholiker die eingenommene Nahrung oft erbrechen und können so die benötigten Vitamine nicht aufnehmen. Das häufige Erbrechen führt zu einer noch geringeren Bereitschaft regelmäßig Nahrung zu sich zu nehmen. Neben der verminderten Nahrungsaufnahme erhöht Alkohol über Stoffwechselprozesse den Thiaminbedarf im Körper. Alkohol vermindert die Aufnahme von Vitamin B1 im Dünndarm und stört auch die Aktivierung des Vitamins B1 zur weiteren Nutzung im Stoffwechsel. Das durch vernachlässigte Nahrungsaufnahme mangelhaft vorhandene Thiamin wird durch die Aufnahme von Alkohol somit weiter reduziert. Von einigen Medizinern wird vermutet, dass bei manchen Personen erschwerend eine genetische Disposition für eine gehemmte Thiaminaufnahme verantwortlich sein könnte. Der wissenschaftliche Beweis dieser Theorie steht allerdings noch aus (Kuhn 2004 S.799). Der Körper benötigt Thiamin für die Nervenbahnen im gesamten Körper. Zusätzlich zum fehlenden Aufbaustoff Thiamin greift der Alkohol in seiner Form als Stoffwechselgift die Nerven an. Der Thiaminmangel und die Schädigung durch den Alkohol können ein irreparables Absterben der Nervenbahnen verursachen (Bergmann 2005 S.1243). Dies geschieht zuerst in den am weitesten entfernten Extremitäten und im Gehirn. Es betrifft damit die Orte des Körpers, die aufgrund ihrer Lage als letztes mit Nährstoffen versorgt werden.