1.1.6 Implizites und explizites Gedächtnis

Das Gedächtnis beziehungsweise unser Wissen kann in zwei Bereiche unterteilt werden, das implizite und das explizite Gedächtnis (Hackl 2004 S.63, Romero 2002 S.247). Das implizite Gedächtnis ist das Handlungsgedächtnis. Informationen werden in Form von Bewegungen und Handlungen gespeichert. Es sind Handlungen über die ein Mensch nicht nachdenken muss. Nach dem Erlernen gelingen sie, ohne dass man sich darauf konzentriert, wie beispielsweise das Gehen. Implizit gespeicherte Informationen sind sehr speziell und lassen sich nur schwer oder gar nicht von einer Aufgabenstellung in eine andere übertragen. Diese Handlungsfunktionen werden auch prozedurale Gedächtnisfunktionen genannt.
Das explizite Gedächtnis speichert Informationen, die codiert wurden. Zumeist wird Information durch Sprache codiert, sie kann aber auch durch Bilder verschlüsselt abgespeichert werden. Durch die Abstraktion der Codierung einer Information in Sprache ist das Wissen daraus aus einem Zusammenhang in einen anderen übertragbar.

  • Beispiel: Unterschied von impliziter und expliziter Information
    Das Spielen einer Gitarre kann aufgeteilt werden in implizites und explizites Wissen. Schlagen und Halten der Saiten ist implizites Wissen. Notenlehre ist explizites Wissen. Das explizite Wissen der Notenlehre lässt sich auch auf Instrumente anderer Instrumentengattungen übertragen. Das implizite Wissen des Haltens und Schlagens der Saiten ist spezielles Wissen, welches im besten Fall Vorteile beim Erlernen anderer Saiteninstrumenten bietet, aber nicht auf Tasteninstrumente übertragbar ist.

Die Schädigung im Limbischen System beim WKS ist fast ausschließlich eine Schädigung des expliziten Gedächtnisses (Hingsammer 2002). Das bedeutet, dass neue Handlungsabläufe abgespeichert werden können, das Speichern von sprachlich codierter Information allerdings problematisch ist. Das Wissen über diese Unterscheidung lässt sich nutzten, um die Schwäche in der Merkfähigkeit teilweise zu kompensieren und neue Formen des Lernens zu entwickeln. Diese Unterscheidung ist auch wichtig, weil für Betroffene das kognitive Lernen erschwert oder unmöglich ist. Im Gegensatz dazu ist das Lernen auf der Ebene der Handlungsebene aber nicht betroffen. Dies gilt auch für das räumliche Gedächtnis. WSK Patienten können örtliche Zusammenhänge zwar in ihrem Handlungsgedächtnis speichern, haben aber Schwierigkeiten, Orte oder Wege sprachlich zu beschreiben, bzw. können sich keine sprachlich codierten Informationen zu Orten merken. Ausführlicher wird dieses Thema im Kapitel Gedächtnistraining und im Kapitel Mobilität und Gedächtnis behandelt.