1.1.9 Typischer Verlauf des WKS während und nach dem Klinkaufenthalt

An WKS erkrankte Personen kommen häufig aufgrund des akuten Auftretens der bereits beschriebenen Symptome in ein Krankenhaus. Die Symptome, wie Schläfrigkeit und die Störung der Konzentration, legen sich bei Thiamingabe schnell nach 2-24 Stunden (Thier 2007 S.798, Bergmann 2005 S.1244). Auch die Augenstörungen bilden sich meist schnell und vollständig zurück. Restsymptome können laut Masuhr Bewegungsstörungen (Ataxie) und rhythmische Bewegungen (Nystagmus) der Augen sein (Masuhr 2005 S.262). Die Gedächtnisstörungen verbessern sich nach der akuten Phase der Wernicke-Encephalopathie bei ca. je einem Viertel der Betroffenen nicht, ein wenig, deutlich oder vollständig (Hingsammer 2002). Die verbleibenden Gedächtnisleistungsdefizite stellen den Übergang zum Korsakow-Syndrom dar.
Die danach noch bestehenden Schädigungen im Gehirn und auch im peripheren Nervensystem galten bis vor wenigen Jahren als vollkommen irreversibel. Aufgrund dieser verbreiteten Annahme wurden betroffene Personen im Anschluss häufig in Pflegeheimen oder Gerontopsychiatrien untergebracht und nicht weiter individuell und gezielt gefördert (McIntosh 2004). Erst in den letzten 15 Jahren wuchs die Überzeugung, dass durch individuelle und angepasste Förderung auch nach dem Krankenhausaufenthalt noch Fortschritte in allen Bereichen erzielt werden können (Hingsammer 2002) Diese Fortschritte finden zwar erheblich langsamer statt, stellen aber doch häufig endgültige ärztliche Diagnosen in Frage und erweitern Möglichkeiten eines selbstbestimmten und unabhängigen Lebens.
Trotz Therapie liegt die Sterblichkeit der Erkrankten während der akuten Wernicke-Enzephalophatie in den ersten drei Wochen bei 15% (Masuhr 2005 S.259 , Thier 2007 S.798). Hingsammer spricht von einer Sterblichkeit von 17% der behandelten Betroffenen und von 23% Sterblichkeit für das akute unbehandelte WKS (Hingsammer 2002).