2.1 Gesetzliche Zielsetzung / Leistungsübernahme

In Deutschland wird die Förderarbeit für Korsakowkranke durch das SGB 12 als Eingliederungshilfe für behinderte Menschen geregelt. Die Erkrankung am WKS wird als Behinderung angesehen, da die betroffene Person nach § 2 Abs. 1 Satz 1 des SGB 9 „ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist“. In diesem Fall sind diese Personen berechtigt, die Förderung in einer Einrichtung auf Grundlage der „Eingliederungshilfe für behinderte Menschen“ (§ 53 SGB 12) in Anspruch zu nehmen. Auf diese Förderung haben sie ein Recht, solange sie diese Behinderung haben oder „von einer solchen wesentlichen Behinderung bedroht sind“ (§ 53 Abs. 1 Satz 1 SGB 12) oder solange Aussicht besteht, dass die Aufgabe der Eingliederungshilfe erfüllt werden kann. Diese Aufgabe besteht darin, „eine drohende Behinderung zu verhüten oder eine Behinderung oder deren Folgen zu beseitigen oder zu mildern und die behinderten Menschen in die Gesellschaft einzugliedern“ (§ 53 Abs. 3 Satz 1 SGB 12). Die zu beseitigenden Behinderungen bzw. die Kompensation ihrer Folgen sind beim WKS insbesondere die beeinträchtigte Gedächtnisleistung und die Einschränkungen der Mobilität. Eine beim WKS besonders zutreffende Aufgabe ist es, betroffene Personen „so weit wie möglich unabhängig von Pflege zu machen“ (§ 53 Abs. 3 Satz 2 SGB 12). Diese Aufgabe ist besonders unter Berücksichtigung der neueren Entwicklung wichtig, da Personen mit dem WKS noch vor wenigen Jahren nur in Pflegeeinrichtungen „verwahrt“ und nicht individuell gefördert wurden (McIntosh 2004). Um frühzeitige Unterbringung in einer reinen Pflegeeinrichtung vorzubeugen, ist es nach § 55 Satz 1 SGB 12 möglich, in einer vollstationären Einrichtung auch Pflegeleistungen zu erbringen, bis der Grad der Pflege die Möglichkeit der Einrichtung übersteigt. Zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt oder zur Aufnahme einer angemessenen Tätigkeit sieht § 55 des SGB 12 die Hilfe zur Ausbildung für angemessene Tätigkeit oder die Hilfe durch eine, dem zweiten Arbeitsmarkt entsprechende, Beschäftigungsstätte vor. Gesetzliche Aufgaben durch die Eingliederungshilfe sind also zusammenfassend:

  • Eingliederung in die Gesellschaft
  • Eingliederung in den Arbeitsmarkt oder Aufnahme eine angemessenen Tätigkeit
  • Behinderung und ihre Folgen mildern oder beseitigen
  • Pflegeaufgaben, soweit machbar, wahrnehmen und dadurch
  • die Unabhängigkeit von Pflege wahren oder soweit möglich herstellen