2.2.1.2 Selbstbewusstsein

Das Wort Selbstbewusstsein steht in diesem Zusammenhang nicht für Selbstachtung, sondern für das Wissen über sich selbst. Selbstbewusstsein ist die Fähigkeit des Menschen sich selbst distanziert zu betrachten. Es geht darum, der eigenen Person bewusst zu werden und dieses Bewusstsein in ein sprachlich fassbares Wissen zu überführen. Indem wir über uns selbst nachdenken, werden eigene Bedürfnisse, Motive, Gründe, Absichten und Interessen zum Gegenstand der Reflexion. Für Alkoholiker kann dies im besonderen Maße die Beschäftigung mit der Abhängigkeit bedeuten. In diesem Zusammenhang können beispielsweise unbefriedigte Bedürfnisse erkannt oder auch die eigenen Motive für das Trinken entdeckt werden. Auf diese Weise kann unbewusstes Handeln bewusst gemacht und verändert werden. Selbstbewusstsein bedeutet allerdings auch, die eigene Suchterkrankung zu erkennen und anzunehmen. Für Korsakowkranke hat das Wissen über sich selbst eine weitere wichtige Komponente. Sie müssen sich mit ihrer Gedächtnisschwäche und den Konfabulationen auseinandersetzen. Die Krankheitseinsicht fällt vielen Betroffenen in den Bereichen Sucht- und Korsakowerkrankung schwer.