2.2.1.3 Selbstachtung

Fehlende Selbstachtung wird häufig als Begründung für Suchtkrankheiten genannt. Fehlende Selbstachtung kann viele Gründe haben. Bei der Entwicklung von Selbstwert kann man allerdings davon ausgehen, dass er niemals autonom entwickelt wird, sondern durch Wertschätzung von „außen“ an eine Person herangetragen wird und sich durch die Erfahrungen, die ein Mensch macht, entwickelt. Eine Person, die anerkannt und respektiert wird, kann sich auch selber anerkennen und respektieren. Dabei ist es offensichtlich wichtig, welcher Wert der aussagenden Person zugemessen wird. Korsakowkranke kommen aus einer langjährigen Alkoholabhängigkeit, in der sie oft nur als Süchtige wahrgenommen werden. Für viele wird dies die einzige Identifikation und sozialer Bezugspunkt zu anderen Menschen, die ebenfalls süchtig sind. Für die pädagogische Arbeit mit Korsakowkranken kann dies den Spagat zwischen der notwendigen Thematisierung der Suchterkrankung und der Wertschätzung der Person, ohne den Bezug zum Alkohol, bedeuten. Außerdem stellt es den Pädagogen vor die Aufgabe, für den Betreuten relevant zu sein, um mit der vermittelten Wertschätzung auch ernst genommen zu werden.