2.2.4 Abstinenz beim WKS

Als eine Grundlage in der Arbeit mit Korsakowkranken ist die Frage zu beantworten, ob grundsätzlich abstinent orientiert gearbeitet werden muss oder, ob es auch Alternativen zur Abstinenz gibt. Das Modell der Abstinenz ist in der Drogenberatung nicht mehr das einzig denkbare Modell. Für Personen die durch Alkoholkonsum am WKS und anderen Alkoholfolgeerkrankungen wie Leberzirrhosen, Varizen oder Diabets Mellitus erkrankt sind, stellt sich allerdings erneut die Frage, ob Abstinenz in dieser Situation vielleicht doch die einzig sinnvolle Möglichkeit ist. Körkel ist der Meinung, dass Vorschädigungen des Körpers relative Kontraindikationen für kontrolliertes Trinken seien (Körkel 2005 S.184). Absolute Kontraindikationen sind für ihn eine bereits erreichte Abstinenz oder der feste Entschluss zur Abstinenz. Mann und Feuerlein vertreten die pauschale Meinung, dass Personen, die am WKS erkrankt sind, keine Alternative zur Abstinenz haben. Der Frage, ob eine am WKS erkrankte Person durch kontrolliertes Trinken und bei ausreichender Thiaminaufnahme ihre Hirnschädigung weiter verschlimmern kann, ist in der Literatur niemand nachgegangen. Die Erkrankung am WKS setzt in der Regel einen exzessiven Alkoholkonsum über einen längeren Zeitraum voraus. Es ist fraglich ob Personen, deren Alkoholkonsum so stark außer Kontrolle geraten ist, wieder dauerhaft zu einem regelmäßigen eingeschränktem Trinken finden können. Zusätzlich ist das selbstkontrollierte Trinken, wie es Körkel beschreibt, ein aufwendiges Programm, welches Disziplin, Entschlossenheit und auch ein gewisses Maß an Merkfähigkeit für das Trinktagebuch erfordert (Körkel 2005 S.164). Als Alternative zum selbstkontrollierten Trinken besteht noch die Möglichkeit des fremdkontrollierten Trinkens, welches aber die Aufgabe eines Teils der Unabhängigkeit bzw. Selbständigkeit erfordert.
Vor diesen Zusammenhängen und der ungeklärten Frage, ob sich das WKS allein durch regelmäßigen aber kontrollierten Alkoholkonsum verschlimmert, scheint mir für Personen, die an dem WKS erkrankt sind, eine abstinentes Leben alternativlos. Sollte sich trotzdem eine betroffene Person bewusst für ein Leben mit Alkohol entscheiden, sollte dies zur weiteren Risikominderung fremdkontrolliert geführt werden.