3.2 Soziales Training

Neben dem Training des Alltags, ist auch das Training sozialer Umgangsformen ein wichtiger Bestandteil in der Betreuung von Korsakowkranken. Da die Förderung von Korsakowkranken häufig in stationären Einrichtungen stattfindet, befinden sie sich in einer Wohnform, die der therapeutischen Gemeinschaft ähnlich ist (Yablonsky 1990 S.43). Im Gegensatz zum klassischen Ansatz der „Therapeutischen Gemeinschaft“, in der es keine Unterteilung zwischen Betreuenden und Betreuten geben soll (Yablonsky 1990 S.47), sind Betreuer im Falle des Krankheitsbildes Korsakow notwendig. Das Leben in der Gemeinschaft ist trotzdem eine Form des sozialen Trainings. Das soziale Training hat zum Ziel, dass Personen den positiven und selbstbewussten Umgang mit anderen Menschen lernen. Es soll ihnen ermöglichen Zugang zu anderen Menschen zu bekommen, um Vereinsamung zu vermeiden und für die Zukunft in einem eigenständigeren Leben vorbereitet zu sein. Therapeutische Gemeinschaften wirken sich prägend auf Personen aus. Sie stellen ein eigenes soziales System dar, in dem jedes Mitglied einen eigenen Status entwickelt und in dem unter Umständen auch Hierarchien entstehen. Es entwickelt sich eine soziale Struktur innerhalb der Bewohnerschaft. Mobilität innerhalb dieser sozialen Struktur ist, wenn auch nicht völlig frei, möglich. Dies bedeutet für die Bewohner, dass sie durch ihre Beteiligung an den täglichen Aufgaben und ihrer Interaktion in der Gemeinschaft, ihren eigenen Status innerhalb der Gemeinschaft finden und verändern können. Beispielhaft für relevante Handlungen, die den eigenen Status positiv verändern, sind die Dauer der Abstinenz, die gewissenhafte Erledingung der eigenen Aufgaben, ein unterstützendes Verhalten in der Gemeinschaft oder die regelmäßige Arbeitsaufnahme außerhalb der Einrichtung. Eine solche soziale Mobilität wird von Lewis Yablonsky (Yablonsky 1990, S.48) eine Ermutigung zur Suche nach dem eigenen Status genannt. Diese soziale Mobilität belohnt positive Entwicklungen eines Individuums durch soziale Anerkennung und Integration in die Gemeinschaft. Diese Belohnung ist in einer kleinen Gemeinschaft grundsätzlich stärker und auch schneller bemerkbar als in der Gesellschaft und kann deshalb dabei helfen, das Selbstbewusstsein aufzubauen, indem Personen „ihren“ Platz im sozialen System finden ohne in der Masse unterzugehen. Das Modell der therapeutischen Gemeinschaft wird von Feuerlein als eine sich immer mehr durchsetzende Methode in stationären Behandlungseinrichtungen für alkoholkranke Menschen bezeichnet (Feuerlein 1989 S.84).
Die Integration in das gesellschaftliche Leben ist für viele Betreute ein wichtiger Punkt auf dem Weg zu einem selbständigen Leben. Dies kann bedeuten, ein eigenes Hobby zu entwickeln oder ein altes wiederzuentdecken, Vorlieben für Musik auszuleben, selber zu musizieren oder Konzerte zu besuchen. Es bedeutet herauszufinden, wo gesellschaftliches Leben stattfindet, Angebote zu entdecken und wahrzunehmen. Einen eigenen Bekanntenkreis aufzubauen, Menschen kennenzulernen, Kontakte zu pflegen, ein Mitglied von Vereinen, Selbsthilfegruppen oder anderen Gruppierungen zu werden. Um diese oder ähnliche Integrationsschritte wahrzunehmen, brauchen Korsakowkranke Hilfe und Anleitung. Betreuer sind in diesem Fall das Trittbrett, um Kontakt nach „außen“ zu bekommen. Es ist eine wichtige Vorsorge, um nicht nach einer gelungenen Förderung und Entwicklung in ein einsames und tristes Leben zu wechseln.
Probleme in der Kommunikation, wie beispielsweise ein sehr rauer Umgangston, fehlende Motivation um auf den Gesprächspartner einzugehen, geringe Übung in der Gesprächsführung, fehlendes Selbstvertrauen, ein kleiner Wortschatz oder das bei Korsakowkranken häufig vorkommende Wiederholen von einfachen Sätzen und Inhalten, schränken die Kommunikation ein. Kommunikation muss daher geübt werden. Geübt wird Kommunikation bereits in einer intuitiven Form im normalen Alltag in Gemeinschaftswohnformen. Trotzdem sollten Kommunikationsübungen auch von den Betreuern angeleitet und geplant werden. Beispielhaft werden an dieser Stelle Formen von pädagogischen Handlungsmöglichkeiten gezeigt, die zur Übung von Kommunikation und sozialem Leben genutzt werden können.