3.2.2 Gespräche in kleinen Gruppen

Neben den Gruppengesprächen in einer Gemeinschaftswohnform können auch Gruppengespräche in kleineren Gruppen (bis 8 Personen) abgehalten werden. Nach Feuerlein sind Gruppengespräche Bestandteil fast jeder Alkoholtherapie (Feuerlein 2005 S.97). Diese Gruppengespräche können zum Thema Sucht gestaltet werden oder auch die Möglichkeit geben, über die eigene Situation und Befindlichkeit mit anderen in einer moderierten Runde zu sprechen. Es können aber auch wechselnde Themen von Betreuern vorbereitet werden. Wechselnde Themen haben den Vorteil, Gespräche abwechslungsreich zu gestalten, auf individuelle Interessen einzugehen und mit aktuellen Themen aus Politik und Gesellschaft, auch die gesellschaftliche Integration der Gesprächsteilnehmer zu unterstützen. Gesprächsthemen sollten so offen sein, dass jeder etwas zur Diskussion beitragen kann. Um eine Diskussion lebendig und nicht oberflächlich zu halten, empfiehlt es sich, auch emotional besetzte Themen auszuwählen. Solche Themen könnten beispielsweise Vertrauen, Kindheit, Gruppenverhalten, Toleranz, Angst und Verlust sein. Die Themen sollten von den Gesprächsleitern anmoderiert und vorgestellt werden. Im weiteren Verlauf steht allerdings die Diskussion unter den Gruppenteilnehmern im Vordergrund. Der Gesprächsleiter sollte im optimalen Fall nicht weiter beteiligt sein oder nur moderierend eingreifen und Fragen stellen. Eine sich für diese Diskussionsart anbietende Technik ist die bereits beschriebene Klientenzentrierte Gesprächsführung nach Carl Rogers (Rogers 1951). Da die Sucht und der Alkohol im Leben aller Teilnehmer eine große Rolle spielt, ist es wahrscheinlich, dass tiefgründigere Themen häufig auch mit der Alkoholsucht in Verbindung gebracht werden. Eine solche Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben und eine entsprechende Entwicklung des Gesprächsverlaufs sind zu begrüßen und zu fördern. Insgesamt sollen solche Gesprächsgruppen die Fähigkeit üben, sich auszudrücken und bei der Reflexion des eigenen Lebens zu helfen. Ebenso kann sie helfen, die eigene Meinung zu formulieren und in eine Diskussion einzubringen. Kontroverse Themen können dabei helfen, eine eigene Streitkultur zu entwickeln und zu üben, mit unterschiedlichen Meinungen tolerant umzugehen.