3.4.1 Selbständige Gedächtnisaufgaben

Selbständige Gedächtnisaufgaben finden zumeist mit geringem Betreuungsaufwand statt. Sie können auf dem Papier oder am Computer erledigt werden und sollten selbsterklärend sein. Komplexe Regeln können das gesamte Training gefährden, da sie auch vergessen werden und die Motivation mindern können. Die Aufgaben können auf Texten, Zahlen oder Bildern basieren. So können unterschiedliche Arten der Wahrnehmung angesprochen werden. Der Vorteil der selbständigen Gedächtnisaufgaben mit dem Computer oder mit Stift und Papier besteht in der einfachen und objektiven Auswertung. Während der Aufgaben gibt es weniger Ablenkung durch Interaktion als in einer Gruppe oder auch im Einzeltraining. Die erreichten Werte sind vergleichbar und erleichtern die objektive Evaluation der Entwicklung. Einige Computerprogramme haben eigene und detaillierte Evaluationsfunktionen, die selbst die Reaktionszeiten auswerten. So stellen die selbständigen Gedächtnisaufgaben die reproduzierbarsten und überprüfbarsten Übungen dar. Ihr Nachteil besteht allerdings darin, dass sie alltagsunrelevante Situationen darstellen (Thöne 2002 S. 296). Entsprechend reizarme Situationen ohne Zeitdruck und Interaktionszwang sind im normalen Leben eher selten. Zusätzlich müssen viele Betreute den Umgang mit dem Computer und den Eingabegeräten erst erlernen. Auch im Umgang mit Papier und Stift sind die Ausgangssituationen unterschiedlich. Lese- und Schreibgeschwindigkeit sowie Textverständnis beeinflussen auch die Ergebnisse, wenn man davon ausgeht, dass das Kurzzeitgedächtnis die aufgenommene Information nur für sehr kurze Zeit speichern kann. Alle diese Umstände beeinflussen natürlich die Ergebnisse und bewirken, dass die Ergebnisse nur bedingt zwischen den einzelnen Betreuten verglichen werden können. Trotzdem gibt es standardisierte Tests, um die Leistungsfähigkeit und vor allem auch die Leistungssteigerung im Bereich des Gedächtnistrainings zu messen.