3.4.4.2 Errorless Learning

Das Errorless Learning ist eine Gedächtnisstrategie, die von Betreuern angewandt wird, um das Abspeichern von falschen Informationen zu umgehen. Errorless Learning geht davon aus, dass Personen mit Gedächtnisschwäche auch falsche Informationen als richtig abspeichern, weil sie die richtige Information vergessen haben. Je mehr falsche Informationen im Verhältnis zu richtigen Informationen zur Verfügung stehen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine falsche Information, anstelle der richtigen Information, abgespeichert wird. Außerdem wird vermutet, dass an Amnesie leidende Personen Probleme haben, falsche Informationen im Gedächtnis als „falsch“ abzuspeichern (Thöne 2002 S.297). Die praktische Bedeutung ergibt sich aus einem Beispiel.

  • Beispiel ohne Errorless Learning:
    Der Betreuer will von dem Betreuten wissen, ob er sich seit dem letzten Kontakt seinen Namen (des Betreuers) merken konnte. Er fragt ihn: „Wie heiße ich?“ Der Betreute nennt drei Namen, von denen keiner richtig ist. Der Betreuer nennt daraufhin seinen Namen. Im Raum stehen nun vier Namen, von denen nur einer richtig ist. Der Betreute kann sich aufgrund seiner Gedächtnisschwäche nach 10 Minuten nur noch in Fragmenten an das Gespräch erinnern. Auf Nachfrage fallen ihm zu der vergangenen Situation noch zwei der genannten Namen ein. Der richtige Name des Betreuers ist nicht dabei.

Errorless Learning ist eine Strategie zur Vermeidung von falschen Antworten, um dem Speichern von falschen Informationen vorzubeugen. Insbesondere Korsakowkranke, die konfabulieren, können Erinnerungsfragmente in falsche Zusammenhänge setzen. Auch für Betreute mit Wahnvorstellungen können falsch abgespeicherte Informationen Grundlage für neue Wahnvorstellungen geben. Falsch abgespeicherte Informationen können Grund für innere und zwischenmenschliche Konflikte sein. Angewendet wird dieses Wissen im alltäglichen Umgang mit relevanter oder wichtiger Information. Betreuer können, zur Vermeidung von falschen Antworten, beispielsweise fragen, ob der Betreute sicher die richtige Antwort auf seine Fragen kennt, um ihn vom Raten abzuhalten. Die zuvor geschilderte Situation könnte dann wie folgt, gestaltet werden.

  • Beispiel mit Errorless Learning:
    Der Betreuer will von dem Betreuten wissen, ob er sich seit dem letzten Kontakt seinen Namen (des Betreuers) merken konnte. Er fragt ihn: „Kennen sie meinen Namen?“ Der Betreute verneint dies. Daraufhin nennt der Betreuer seinen Namen. Auf diese Weise werden weitere falsche Informationen umgangen.

Im Gedächtnistraining sollte das Errorless Leraning nur dann angewandt bzw. vermittelt werden, wenn anzunehmen ist, dass der Betreute die Theorie verstehen und für sich nutzen kann. Umsetzen könnte der Anwender die Theorie dadurch, dass er größere Aufmerksamkeit auf richtige Informationen lenkt. Errorless Learning ist eine Vorraussetzung für die drei folgenden Gedächtnisstrategien.