3.4.5.1 Modifikation der Lebenswelt

Um die Gedächtnisschwäche zu kompensieren, sollte die Lebenswelt der Betroffenen angepasst werden. Die Lebenswelt sollte so gestaltet werden, dass weniger Gedächtnisleistung erforderlich ist. Die Notwendigkeit fester Tages- und Wochenstrukturen wurde bereits ausführlich dargelegt. Eingeübte Strukturen ersetzen die mentale Aufgabenliste, die gesunde Menschen nebenher in ihrem Gedächtnis führen und die sie nach und nach abarbeiten. Die Frage danach, ob man heute schon geduscht hat, erledigt sich dadurch, dass das Duschen fest in den Tagesrhythmus eingearbeitet wurde. Durch feste Wochenpläne entfällt die notwendige Gedächtnisleistung für seltenere Arbeiten. Ein Wochenplan kann einen Tag zum Baden reservieren. Die feste Einhaltung eines Wochenplans erspart den Betroffenen die Frage, ob sie diese Woche bereits gebadet haben. Ebenso können Mahlzeit und Medikamenteneinnahme verbunden werden.
Geöffnete oder verglaste Türen in Fluren und Treppenhäusern helfen bei der Orientierung, ebenso wie gut sichtbare Stockwerkbeschriftungen oder die Beschriftung der eigenen Wohnungstür mit dem Namen und eventuell den Namen der Mitbewohner. Plätze an der Eingangstür für Schlüssel, Jacke, Brillen, Portemonnaie und Ähnlichem können für mehr Sicherheit beim Eintritt in die nicht so überschaubare Außenwelt sorgen. In der Wohnung eines Betreuten helfen Beschriftungen an Schränken und Regalen, die Ordnung zu behalten. Hinweisschilder an Türen oder im Spiegel können weitere Hilfen für wiederkehrende Aufgaben und Abläufe sein. Bei schweren Fällen von Korsakow oder in der Eingewöhnungsphase in eine Einrichtung kann es helfen, Hinweise über den Aufenthaltsort, die Adresse und den Grund des Aufenthalts nahe am Bett anzubringen. In Doppelapartments oder Wohngemeinschaften können sich Bewohner gegenseitig unterstützen und gegebenenfalls Fragen stellen. Die Modifikationen der Lebenswelt müssen individuell eingerichtet werden. Es empfiehlt sich, die Übernahme der bestehenden Lebensweltmodifikationen bei einem Umzug. Sollte ein Korsakowkranker zurück in sein soziales Umfeld ziehen, so sollten die Angehörigen mit den bereits eingeführten Lebensweltmodifikationen vertraut gemacht werden.