3.4.5.2 Hilfsmittel

Externe Hilfsmittel können, richtig eingesetzt, helfen die verlorene Merkfähigkeit zu ersetzen. In dem populären Film „Memento“ wird versucht, dem Zuschauer nahe zu bringen, wie sich ein Leben ohne Kurzzeitgedächtnis anfühlen könnte (Der Film „Memento“ von Christopher Nolan basiert auf der Kurzgeschichte „Memento mori“ von Jonathan Nolan aus dem Jahr 2000). Der Protagonist verlor durch eine erworbene Hirnschädigung die Fähigkeit, den Inhalt seines Kurzzeitgedächtnisses in das Langzeitgedächtnis zu übertragen. Um mit seiner Gedächtnisschwäche zu leben, hat der Protagonist ein System entwickelt, um Informationen nach Relevanz geordnet zu speichern. Die wichtigsten Informationen über seine Person und seine Vorhaben lässt er sich, teilweise spiegelverkehrt, auf seinen Körper tätowieren. Weniger wichtige Informationen schreibt er sich auf Merkzettel. Namen, Einschätzungen und Anmerkungen zu Personen oder wichtigen Gegenständen notiert er sich auf der Rückseite von Polaroidfotos. Die Szenen des Filmes werden in retrograder Reihenfolge gezeigt, so dass der Film an seinem Ende beginnt und der Zuschauer genauso wenig wie der Protagonist weiß, welche Vorgeschichte eine Szene hat. Der Zuschauer ist, wie der Protagonist, auf die vorhandenen Notizen angewiesen, um die Situation zu deuten. Der Film zeigt, wenn auch aus dramaturgischen Gründen überzogen, eine Person, die sich in allen ihren Entscheidungen und Handlungen auf externe Gedächtnishilfen stützen muss. Dabei wird auch angedeutet, dass diese externen Hilfsmittel zwar hilfreich sind, aber auch Nachteile besitzen. Sie sind manipulierbar, ungenau, können unrelevante oder zu viele Informationen transportieren und helfen nicht, wenn man sie vergessen hat. Nutzer von externen Hilfsmitteln müssen den Nutzen dieser Hilfsmittel erkennen und ihnen Vertrauen entgegen bringen.

Tagesplan, Wochenplan und Hinweisschilder

Bereits erwähnt wurden die Tages- und Wochenpläne, die dem Leben einen Rhythmus geben sollen. Sie sollten im Alltag offen sichtbar in der eigenen Wohnung und in der Fördereinrichtung aushängen. Genauso verhält es sich mit Hinweisschildern.

Merkheft

Menschen mit einem gesunden Gedächtnis schreiben sich häufig Informationen auf. Papier ist ein idealer Informationsträger. Problematisch werden Merkzettel allerdings, wenn man viele von ihnen schreibt und verwalten muss. Dabei können Informationen untergehen. Abhilfe kann da ein Merkheft schaffen. Der erfolgreiche Einsatz eines Merkheftes hängt von mehreren Faktoren ab.
Die Informationen in einem Merkheft sollten sortiert werden. Rubriken in einem Merkheft könnten sein: Tagesplan, Terminkalender, Absprachen, Notizen und Kontakte. Merkhefte mit Kalendern können ähnlich einem Tagebuch geführt werden, um nicht nur die zukünftigen Aktivitäten zu planen, sondern um auch die Aktivitäten der Vergangenheit überblicken zu können. Bei reger Nutzung des Merkheftes sollte darauf geachtet werden, dass das Heft nicht zu viele veraltete Informationen enthält. Zu viele Informationen verlangsamen die Suche nach relevanter Information und verwirren den Nutzer. Abhilfe könnte ein Organizer schaffen, dem Blätter entnommen und hinzugefügt werden können. Das würde auch das Problem der aufwendigen Übertragung von Informationen in ein neues Heft lösen. Merkhefte haben eine hohe Akzeptanz, weil sie leicht zu benutzen sind und kein technisches Wissen benötigen. Außerdem sind Merkhefte vertrauenswürdig, weil sie durch die eigene Handschrift eine Manipulation sehr schwer machen. Der Nachteil von Merkheften ist, dass sie oft in der Wohnung gelagert und nicht mitgenommen werden. Ein fester Platz an der Kleidung des Nutzers hilft dabei, das Heft wieder zu finden. Ein weiteres Problem ist, dass Nutzer vergessen, regelmäßig in das Merkheft hineinzuschauen und so ihre Notizen nicht wahrnehmen. In der Praxis wurden in diesen Fällen Armbanduhren getestet, die regelmäßig (z.B. stündlich) zur Erinnerung einen Piepston ausgeben und so an das Merkheft erinnern (Thöne 2002 S. 300).

Neuropager / Smartphones / SMS

Die neuere technische Entwicklung bietet unterschiedliche Möglichkeiten, Personen mit Gedächtnisschwächen zu unterstützen. Als nützlich erweisen sich diese Hilfsmittel insbesondere dann, wenn Personen mit Gedächtnisschwächen bei ihren Angehörigen wohnen. Häufige Erinnerungen und Zusammenstöße aufgrund von Erinnerungslücken können das Miteinander nachhaltig belasten. Diese Gefahr wird von vielen Angehörigen oft unterschätzt. In diesem Zusammenhang wurden bereits so genannte „Neuropager“ entwickelt (Thöne 2002 S. 301). Angehörige können über einen Computer Nachrichten an den Neuropager schicken, der immer getragen werden sollte. Über einen Signalton wird der Träger über eine neue Nachricht benachrichtigt, die dann auf einem Display angezeigt wird.
Gedächtnisforscher setzen Hoffnung in die Entwicklung von elektronischen Hilfsmitteln für Menschen mit Gedächtnisschwächen. Das häufigste Problem liegt allerdings in der Akzeptanz und der Bedienung der Geräte. Technische Hilfsmittel werden eher von jungen Menschen genutzt. Da das Korsakowsyndrom fast ausschließlich über 50-jährige Personen betrifft, ist die Akzeptanz zurzeit eher gering. Für viele Personen wäre die selbständige Nutzung eines kleinen Computers oder eines Smartphones im Alltag eine Überforderung. Dies könnte sich allerdings im nächsten Jahrzehnt ändern, da die Verbreitung und der Umgang mit Mobiltelefonen in der Gesellschaft stark zunimmt und bereits 86% der Haushalte in Deutschland über ein oder mehrere Mobiltelefone verfügen (Destatis 2009). Das SMS-Protokoll (Short Message Service) ist mit seinen 160 Zeichen ein passendes Protokoll für kurze Erinnerungen und Benachrichtigungen, die auch über den Computer versendet werden können. Einen Interessanten Entwicklungsspielraum versprechen Smartphones (wie das iPhone von Apple oder Smartphones mit dem Android Betriebssystem von Google), die Programmierschnittstellen bieten, über die ein erweiterter Funktionsumfang zum bestehenden Betriebssystem des Mobiltelefons hinzugefügt werden kann. Auf diese Weise könnte der Alltagsgegenstand Mobiltelefon zu einem Gedächtnishilfsmittel werden.