3.6.1 Mobilität und Gedächtnis

Die Beeinträchtigung im expliziten Gedächtnis schränkt die Mobilität dadurch ein, dass Betroffene Orientierungsschwierigkeiten bekommen können. Aber auch in diesem Bereich kann zwischen impliziten und expliziten Gedächtnis unterschieden werden. Sprachlich codierte Orientierungshilfen, wie Wegbeschreibungen oder Angaben zur Standortbestimmung, können vergessen werden. Dies kann besonders dann zu Schwierigkeiten führen, wenn eine betroffene Person die Orientierung verloren hat und nicht anhand der Erinnerung den Rückweg rekonstruieren kann. Ebenso ist es den Betroffenen häufig nicht möglich, einen bereits gegangenen Weg zu beschreiben. Trotzdem können im impliziten Gedächtnis Wege abgespeichert und auch abgerufen werden, wenn diese bereits begangen wurden. Diese Wege können aber nicht sprachlich ausgedrückt werden und die Erinnerung an den Weg kommt während des Gehens. Für Betreuer kann der Umstand, dass Wege und Orte nicht sprachlich wiedergegeben werden können, zu der Annahme führen, dass der Betreute sich Wege nicht merken kann und unorientiert ist. Dies ist aufgrund der Speicherung im impliziten Gedächtnis nicht zwingend der Fall. Es bietet sich an, wichtige Wege mehrmals mit dem Betreuten gemeinsam zu gehen und dabei ähnlich wie bei der Gedächtnisstrategiemethode „Vanishing cues“, immer weniger Vorgaben zum Weg zu geben, bis der Betreute den Weg eigenständig gehen kann. Möglich ist auch, erfahrener Korsakowkranke mit Wegkenntnis als Anleiter für unerfahrene Korsakowkranke solange mitgehen zu lassen, bis sich der Weg eingeprägt hat. Die im impiziten Gedächtnis gespeicherten Informationen sind unfexibel und können nicht oder nur schwer abstrahiert werden. Für Verwirrung kann eine Umleitung aufgrund einer Baustelle, der fehlende Orientierungspunkt durch den Abriss eines Hauses oder die Veränderung der Umgebung durch den Jahreszeitenwechsel sorgen.