4.2.1 Aufklärung von Alkoholikern und Ärzten

Die Verhinderung eines WKS trotz starker Alkoholabhängigkeit ist theoretisch sehr einfach und kostengünstig. Entsprechend gefährdete Personen müssten lediglich dafür Sorge tragen, ihre Thiaminaufnahme nicht zu vernachlässigen. Thiamin ist in Tabletten mit dem Vitamin B-Komplex oder in Multivitamin-Brausetabletten enthalten. Multivitamin-Brausetabletten, die pro Tablette 1-2mg Vitamin B1 enthalten, sind in den meisten Supermärkten kostengünstig (<1EUR) erhältlich. Sie decken zwischen 70% und 140% des empfohlenen Tagesbedarfs ab. Selbst wenn feste Nahrung vom Körper nicht mehr aufgenommen oder bei sich behalten werden kann, sind in Wasser gelöste Brausetabletten eine Möglichkeit, den Vitaminmangel etwas einzuschränken.
Das Wissen um diese Präventionsform ist nicht weit verbreitet und auch die Umsetzung ist für starke Alkoholiker aufgrund ihrer Lebensführung schwierig. Trotzdem versetzt das Wissen um diese Form der Prävention Menschen in die Lage, selber etwas zur Vermeidung des WKS zu tun. Ärzte, die starke Alkoholiker betreuen, können Thiaminpräparate als Prävention empfehlen, wenn sie Mangelernährung feststellen und versuchen, den Betroffenen die Gefahr von Vitaminmangel und Fehlernährung nahe zu bringen (Kopelmann 2009). Die Einnahme von Vitaminpräparaten darf allerdings nicht als Lösung oder Ersatz für ausgewogene Mahlzeiten dargestellt werden. Dies würde eventuell zu der Überzeugung führen, dass eine ausgeglichene Ernährung, durch künstliche Produkte zu ersetzen wäre, was natürlich nicht der Fall ist. Vitaminpräparate sind also nur eine Maßnahme zur Risikominderung und schließen keine Erkrankung aus. Kontrovers wird auch noch immer die Aufnahmefähigkeit von oral eingenommenen Thiamin bei Alkoholikern diskutiert. McIntosh empfiehlt als sicherere Alternative die intravenöse Verabreichung (McIntosh 2004).