4.2.2 Kontrolliertes Trinken

Bei bereits eingetretenen Alkoholproblemen und dem Ausschluss einer abstinenten Lebensführung kann das Risiko von Folgeerkrankungen und Schädigungen durch kontrolliertes Trinken reduziert werden. Kontrolliertes Trinken bedeutet eine überwachte Konsumbegrenzung für den Konsumenten. Die Überwachung der konsumierten Alkoholmengen kann selbständig oder durch eine äußere Kontrollinstanz durchgeführt werden. Sollte ein selbstkontrolliertes Trinken nicht mehr möglich sein, empfiehlt sich eine äußere Kontrollinstanz, die die festgelegte Alkoholmenge ausgibt. Erfahrungen mit dem fremdkontrollierten Trinken wurden besonders in Altenheimen und Hospizen gesammelt (Krökel 2005 S.167).
Von selbstkontrolliertem Trinken spricht man, wenn eine Person ihren Alkoholkonsum an einem Trinkplan oder an Trinkregeln ausrichtet. Dabei sollen neben der Kontrolle auch die eigenen Konsummuster entdeckt werden, d.h. wo, mit wem, wie viel und zu welcher Tageszeit wird getrunken. Ein Trinkplan kann eine tägliche Menge Alkohol festlegen, die nicht überschritten werden sollte. Er kann eine Uhrzeit festlegen, ab der getrunken werden darf oder Orte an denen das Trinken erlaubt ist oder vermieden werden sollte. Empfehlenswert ist hierbei das Führen eines Trinktagebuches, in dem die einzelnen Getränke und Situationen des Trinkens vermerkt werden. Dieses Trinktagebuch hilft dabei, getroffene Zielfestlegungen zu überprüfen und Erfolge oder Misserfolge festzustellen. Erfolge sollten durch Selbstbelohnung honoriert werden. Misserfolge sollten analysiert und akzeptiert werden. Erkenntnisse bieten die Möglichkeit, Probleme und Risiken zu erkennen und zu definieren. Als Reaktion auf gemachte Ergebnisse können Zielfestlegungen Woche für Woche neu gefasst und so Fortschritte erzielt werden. Wenn möglich, kann zu Beginn der Selbstkontrolle eine Abstinenzphase von mehreren Tagen oder Wochen eingelegt werden, um die Toleranz gegenüber Alkohol abzubauen und das Verlangen nach Alkohol intensiv zu empfinden und Trinkmuster erkennen zu können. Für viele Alkoholiker sind solche Abstinenzphasen allerdings schwierig und könnten die Absicht, kontrolliert zu trinken, blockieren. Eine Abstinenzphase ist deshalb keine zu erzwingende Vorleistung, um das kontrollierte Trinken zu beginnen. Weitere Vorraussetzungen für das kontrollierte Trinken ist, die Kenntnis über Alkoholmengen in Getränken und deren Bedeutung für den eigenen Körper. Informationen und Anleitung zum kontrollierten Trinken sind, über Informationsbroschüren und -bücher (Körkel 2005) oder auch in einzelnen therapeutischen Beratungen oder Gruppenprogrammen zu erhalten. Diese sind teilweise von Betriebskrankenkassen als Präventionsmaßnahmen anerkannt und werden bezuschusst. Die Ergebnisse des kontrollierten Trinkens sind vergleichbar mit denen der Abstinenzprogramme. Ca. 65% der Teilnehmer kontrollieren ihren Konsum nach einem Jahr noch immer. 50% haben ihren Konsum weiter reduziert oder sind abstinent geworden. Allerdings sinkt die Erfolgsquote in schweren Fällen von Alkoholabhängigkeit. Zur Vermeidung vom WKS ist das selbstkontrollierte Trinken in einem frühen Stadium der Alkoholabhängigkeit sinnvoll. Das fremdkontrollierte Trinken in Pflegeeinrichtungen kann als Risikominderung in Fällen mit bereits aufgetretenem WKS angesehen werden, welche eine Alkoholabstinenz dauerhaft ablehnen.