5 Fazit

Ziel der pädagogischen Arbeit mit Personen, die am WKS erkrankt sind, ist ein selbstbestimmtes Leben mit größtmöglicher Unabhängigkeit und Selbständigkeit. Der Weg zu diesem Ziel ist individuell, da auch die Personen Individuen sind und die Schädigungen durch das WKS sich von Person zu Person unterscheiden. Die praktische Erfahrung zeigt, dass die verlorene Merkfähigkeit und die dadurch entstandene Unsicherheit im Alltag durch wiederkehrende und alltagspraktische Abläufe teilweise kompensiert werden kann. In dieser Routine ist das Leben wieder besser und mit weniger Hilfe möglich. Obwohl ein routiniertes Leben mit wiederkehrendem Alltag langweilig und eintönig erscheinen kann, bietet es den Betroffenen die Sicherheit und die Rückgewinnung der Kontrolle und damit auch der Selbstbestimmung und Selbstachtung. Bei der Konzentration auf den Alltag und dem Training wiederkehrender Aufgaben, kann den pädagogischen Betreuern allerdings der Blick für die individuellen Maßnahmen verloren gehen. Außerdem sollte nicht aus den Augen verloren werden, dass die Form des impliziten Lernens nur eine Umgehung der geschädigten Funktionen ist. Explizites Lernen sollte trotz der geringen zu erwartenden Erfolge trainiert werden. Das Training des expliziten Lernens ist Ressourcenerhalt und Erweiterung der eigentlichen Fähigkeiten und damit wertvoller für den betroffenen Menschen, da es übertragbar und damit mehrfach verwendbar ist. Implizites Wissen kann durch seine sehr spezielle Form nur als Ersatz für nicht erlernbare explizite Fähigkeiten gesehen werden. In diesem Zusammenhang sind insbesondere Gedächtnistrainings zu sehen. Betreuer müssen immer zwischen den Möglichkeiten abwägen, durch Strukturierung und Kompensation, das Leben zu erleichtern oder durch Förderung, Umstellung und Herausforderungen, Fähigkeiten zu entwickeln oder zu reaktivieren. Für beide Formen des Lernens gibt es eine Vielzahl von Methoden, die je nach Person mehr oder weniger hilfreich sein können. Überwiegend sind es Methoden, die für andere Krankheitsbilder entwickelt wurden, aber bei dem WKS genauso oder abgewandelt verwendet werden können. Insbesondere das Realitätsorientierungstraining (ROT) kann hier als eine Sammlung von Methoden genannt werden, die sich besonders für die Arbeit mit WKS-Erkrankten eignen können. Für einen erfolgreichen Übergang von einer intensiven Betreuung in eine selbständigere Form des Lebens, sind die Fähigkeit den Alltag bewältigen zu können und eine angemessene Beschäftigung von großer Bedeutung. Aber auch die Möglichkeit sich frei bewegen zu können und Zugang zum öffentlichen Leben zu haben ist eine wichtige Grundlage für eine gelungene Bewältigung der Krankheitsfolgen.
Zur Prävention des WKS sind verschiedene risikomindernde Maßnahmen bekannt. Hierzu zählen unter anderem alkoholpolitische Maßnahmen und die nachgehende Sozialarbeit. In einigen Ländern wird bereits die Thiaminzugabe zu Nahrungsmitteln angewendet. Der umsetzbarste und realistischste Ansatz ist aber, Ärzte und Alkoholiker auf die Gefahren des WKS hinzuweisen und Vorbeugemöglichkeiten, wie die rechtzeitige Gabe von Thiamin, aufzuzeigen.